News24. April 2026

Deutschland: Kaufen oder Mieten?

Kaufen oder Mieten? Was sich 2025 in Deutschland wirklich lohnt

Kaufen oder Mieten? Was sich 2025 in Deutschland wirklich lohnt

Eine Frage, die Millionen Deutsche beschäftigt – und deren Antwort vom Markt, der persönlichen Situation und einem klaren Kalkül abhängt. Wir rechnen ehrlich nach, ohne Euphorie und ohne Schwarzmalerei.

Das Ende eines Mythos

„Mieten ist Geld verbrennen" – dieser Satz war lange das Mantra der deutschen Wohneigentumskultur. Die Realität ist differenzierter. In Phasen niedriger Zinsen und stark steigender Immobilienpreise stimmte die Gleichung: Wer kaufte, baute Vermögen auf, wer mietete, zahlte für den Traum des Vermieters. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert.

Mit Bauzinsen zwischen 3,5 und 4,5 Prozent, Kaufpreisen, die trotz Korrektur noch immer auf hohem Niveau liegen, und einer wirtschaftlichen Unsicherheit, die Flexibilität zum Wettbewerbsvorteil macht, lohnt sich eine nüchterne Bestandsaufnahme. Kaufen ist nicht automatisch besser als Mieten – und Mieten ist nicht automatisch schlechter als Kaufen. Es kommt auf die Zahlen und die persönliche Lebenssituation an.

Die Mathematik hinter der Entscheidung

Der entscheidende Vergleichswert ist der sogenannte Kaufpreis-Miete-Multiplikator. Er zeigt, wie viele Jahresnettomieten man zahlen muss, um ein gleichwertiges Objekt zu kaufen. In München lag dieser Faktor auf dem Höhepunkt des Booms bei 40 und mehr – ein klares Signal für überbewertete Kaufpreise. In Leipzig oder Erfurt liegt er bei 18 bis 22, was Kaufen deutlich attraktiver macht.

Hinzu kommt der persönliche Zeithorizont. Kaufen lohnt sich finanziell in der Regel erst, wenn man mindestens 10 bis 15 Jahre in der Immobilie bleibt. Wer innerhalb weniger Jahre wieder verkauft, zahlt drauf: Notar, Grunderwerbsteuer, Maklerkosten und mögliche Vorfälligkeitsentschädigungen fressen die anfängliche Wertsteigerung schnell auf.

Wo Kaufen heute besonders attraktiv ist

Der Preisrückgang der vergangenen zwei Jahre hat in vielen Städten das Verhältnis von Kaufpreis zu Miete deutlich verbessert. In Berlin, Leipzig, Dresden und Teilen des Ruhrgebiets sind Eigentumswohnungen so günstig geworden, dass die monatliche Kreditrate vergleichbarer Mietwohnungen kaum übersteigt – und dabei Eigenkapital aufgebaut wird.

Ein konkretes Beispiel: Eine 80-Quadratmeter-Wohnung in Leipzig kostet aktuell rund 224.000 Euro. Bei 20 Prozent Eigenkapital und 3,8 Prozent Zins beträgt die monatliche Rate etwa 930 Euro. Die vergleichbare Mietwohnung kostet in Leipzig rund 912 Euro Kaltmiete – und Tendenz steigend. Die Break-Even-Schwelle, ab der Kaufen günstiger ist, liegt hier bei unter 10 Jahren. Ein überzeugender Fall für den Kauf.

Wann Mieten die klügere Wahl ist

Mieten bleibt die richtige Entscheidung, wenn die persönliche Flexibilität an erster Stelle steht. Wer beruflich mobil sein muss, häufige Wechsel plant oder in den nächsten fünf Jahren möglicherweise umzieht, sollte nicht kaufen. Auch wer unter 15 Prozent Eigenkapital verfügt, sollte die Finanzierungskosten sorgfältig kalkulieren – hohe Tilgungsraten bei schmalem Puffer können schnell zur Belastung werden.

Zudem birgt Eigentum versteckte Kosten, die Mieter nicht kennen. Instandhaltungsrücklagen, Hausgeld, unerwartete Reparaturen – Eigentümer sollten jährlich ein bis zwei Prozent des Immobilienwerts als Rücklage einplanen. Wer das nicht einkalkuliert, unterschätzt die tatsächlichen Kosten des Eigentums erheblich.

Die fünf entscheidenden Fragen vor dem Kauf

Bevor die Entscheidung fällt, sollte man sich fünf Fragen ehrlich beantworten. Erstens: Verfüge ich über mindestens 20 bis 25 Prozent Eigenkapital inklusive Kaufnebenkosten? Zweitens: Plane ich, mindestens 10 Jahre am selben Ort zu bleiben? Drittens: Liegt die monatliche Kreditrate unter 35 Prozent meines Nettohaushaltseinkommens? Viertens: Habe ich eine finanzielle Reserve für Instandhaltung und unerwartete Kosten? Fünftens: Ist meine Einkommenssituation für die nächsten fünf Jahre stabil?

Wer alle fünf Fragen mit Ja beantworten kann, für den ist 2025 trotz – oder gerade wegen – der veränderten Marktlage ein guter Zeitpunkt, den Kauf ernsthaft zu prüfen. Wer bei mehreren Punkten zögert, ist mit dem Mieten vorerst besser beraten.